Zeit für Zeugnisse

Und alle Jahre wieder grüßt der Frust über Zeugnisse und Noten gleich mehrmals und auf vielen Seiten:- Auf Seiten der Lehrkräfte, dass „die Schülerinnen immer schlechter werden“ und die „Schüler einfach nicht mehr so lernen, wie früher“.- Auf Seiten der Schülerinnen und Schüler, die mit einzelnen Noten oder sogar dem gesamten Zeugnis nicht zufrieden sind, die sich ungerecht behandelt fühlen und jede Motivation verlieren.- Auf Seiten der Eltern, die einerseits als Fürsprecher ihrer Kinder die individuellen Bemühungen sehen, andererseits auch oft eine gewisse Erwartungshaltung haben. Schließlich wünschen sich alle doch nur das Beste für ihr Kind. Und alle Jahre wieder wird das Zeugnis vielerorts zur Zerreißprobe für Beziehungen. Wie verkraftet eine Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern solch eine Bewertung mit dem Holzhammer?Wie geht man als Familie damit um? Treibt man das Kind an, reagiert mit Druck, um das Bestehen des Schuljahres nicht zu gefährden? Werden Eltern zunehmend zu Erfüllungsgehilfen eines Systems, das Druck erzeugt?Und was passiert eigentlich mit der Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu sich selbst? Mit Selbstwert und Selbstbewusstsein? Mit Motivation und Selbstvertrauen?
Wir wissen es alle schon längst:


Noten sind nicht fair.

Noten sind ungerecht.

Noten sind weder objektiv, noch stellen sie eine Vergleichbarkeit her.

Zeugnisse sind niemals individuell – selbst wenn sich engagierte Lehrkräfte von den alten Textbausteinen zur Zeugniserstellung lösen. Zeugnisse bilden niemals all die wundervollen Talente und persönlichen Erfolgsgeschichten ab, die Kinder und Jugendliche besitzen und erreichen. Noten und Zeugnisse nehmen keine Rücksicht darauf, welche Herausforderungen Kinder und Jugendliche zu bewältigen haben. Sie wertschätzen nicht, dass jede und jeder von ihnen zu jeder Zeit immer das Beste gibt, das ihnen möglich ist. Vielleicht reichen ein paar warme Worte nicht aus, um den Druck eines Zeugnisses ganz zu nehmen. Vielleicht helfen ein paar Worte jedoch, um den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass dieses Zeugnis nicht das Wichtigste ist. Und dass dieses Zeugnis niemals all das erreichen kann, was es vorgibt zu können. Denn die Aussagekraft einer Note – oder auch einer Gesamtnote – ist viel geringer, als es gerne vorgegeben wird. Zeit für ehrliche Worte.Zeit, dass Kinder und Jugendliche von uns zu hören bekommen, was eigentlich schon längt über Noten bekannt sein sollte. Mit bärenstarken Grüßen,Julia


©2022 Julia Hümmer. Alle Rechte vorbehalten


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